Frauenhaus Itzehoe
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Frauenhaus in Not

Wollen mehr Geld, um Frauen in Not besser unterstützen zu können: Heike Siemssen-Bielenberg (l.) und Sabine Bahlo. (Foto: Müller, Quelle: www.shz.de)
Wollen mehr Geld, um Frauen in Not besser unterstützen zu können: Heike Siemssen-Bielenberg (l.) und Sabine Bahlo.
(Foto: Müller, Quelle: www.shz.de)

Wo es ist, wissen nur die Betroffenen und diejenigen die sich um sie kümmern. Der genaue Ort, an dem das Frauenhaus Itzehoe liegt, ist geheim – schon um die Frauen in Not zu schützen. Doch dass das Haus, das mehr als 100 Jahre alt ist und der Stadt gehört, baulich in einem verbesserungswürdigen Zustand ist, das erzählen Heike Siemssen-Bielenberg undSabine Bahlo vom Frauenhaus ganz offen. „Wir haben mit einem Sanierungsstau zu kämpfen“, sagt Siemssen-Bielenberg. Ziel sei es, die sechs Schlafräume nach und nach mit neuen, stabilen Möbeln auszustatten – doch dafür seien nicht genügend finanzielle Mittel da. Sabine Bahlo sagt: „Das Geld, das wir vom Land bekommen, reicht nicht aus für den Betrieb des Frauenhauses.“ 2006 sei die bis dahin regelmäßige Dynamisierung abgeschafft worden. In diesem Zeitraum seien aber die Ausgaben – etwa für Energie enorm angestiegen. „Uns rennen die Kosten davon“, sagt Siemssen-Bielenberg.

Die Landesregierung verweist darauf, dass die Förderung der Frauenhäuser und deren Beratung um rund 550 000 Euro angehoben. Angestrebt sei zudem eine Erhöhung der Fördermittel um drei Prozent im kommenden Jahr 2016 und um weitere drei Prozent 2017, um die Ausgabensteigerungen abzufedern.

Dennoch sei das Frauenhaus Itzehoe in nicht unerheblichem Maß von Spenden und Zuwendungen des Fördervereins abhängig, um über die Runden zu kommen, so Bahlo. „Der Verein macht es uns möglich, dass wir Frauen, die hier ohne etwas ankommen, mit einem Notpaket, also Lebensmitteln und Kleidung, ausstatten können“, sagt Siemssen-Bielenberg. „Und wenn wir nicht immer wieder Spenden bekämen, könnten wir den Personalschlüssel nicht halten“, ergänzt Sabine Bahlo. Im Moment kümmern sich vier Mitarbeiterinnen, die drei Stellen besetzen, um die Frauen. 18 Plätze hat das Frauenhaus, im Schnitt sind 75 Prozent davon belegt. Allerdings sei eine hundertprozentige Belegung meist nur auf dem Papier möglich, so Siemssen-Bielenberg. „Wir können nicht Frauen und ihre Kinder trennen oder vier traumatisierte Frauen, die vielleicht aus unterschiedlichen Kulturkreisen kommen, in einem Zimmer unterbringen.“

Was dem Frauenhaus fehle sei ein Rückzugsraum. Im Haus gibt es sechs Schlafräume, ein Wohnzimmer, Küche, Bad, Dusche und zwei Toiletten. „Das ist schon sehr beengt.“ In der Vergangenheit waren Frauenhäuser in Schleswig-Holstein immer mal wieder überfüllt gewesen.

Als Dank für das neue Bad überreichte Eva Schön (r.) vom Frauenhaus einen von den Bewohnerinnen gebackenen Kuchen an Jan-Hauke Tiedemann und Silke Fischer-Tiedemann. (Foto: Müller, Quelle: www.shz.de)
Als Dank für das neue Bad überreichte Eva Schön (r.) vom Frauenhaus einen von den Bewohnerinnen gebackenen Kuchen an Jan-Hauke Tiedemann und Silke Fischer-Tiedemann.
(Foto: Müller, Quelle: www.shz.de)

Das Spendensammeln und -verwalten koste viel Zeit und Energie, so Bahlo. Diese Zeit fehle dann für die Beratung und Betreuung der Frauen. Sachspenden nehme das Frauenhaus nicht mehr entgegen, „weil wir die Sachen nicht mehr abholen und lagern können“, so Bahlo weiter.

Sie gibt zu, dass Schleswig-Holstein eine gute Regel zur Finanzierung gefunden habe. In anderen Bundesländern müssten die Frauenhäuser die Beratungen der Frauen über die Arbeitsagentur abrechnen, die Kosten der Unterbringung trage die Kommunen – und das auch nur für belegte Plätze. Im Norden bekommen die Frauenhäuser eine pauschale Unterstützung. „Das ist ja auch gut, allerdings ist die Summe zu niedrig“, sagt Bahlo.

„Ich stehe in engem Austausch mit den Frauenhäusern und die Botschaft ist angekommen. Wir haben daher bereits finanzielle Verbesserungen umgesetzt und weitere für das Haushaltsjahr 2016 eingeleitet“, sagt Sozialministerin Kristin Alheit (SPD). Ihr sei wichtig, dass angemessene Standards gehalten werden können, daher sei eine Anpassung geplant. Ahlheit: „Frauenhäuser leisten einen unerlässlichen Beitrag zum Schutz von Frauen vor Gewalt.“

Quelle: http://www.shz.de/lokales/norddeutsche-rundschau/frauenhaus-in-not-id9857451.html